Samstag, 22. April 2017

Die nächste Fahrerflucht



Kann ein Auto verflucht sein? Oder ist mein Coupé so anziehend, dass es zwangsläufig ständig angebumst wird? Oder so hässlich, dass jeder ihm einen weiteren Schaden zufügen will? Ich weiß es nicht, doch als ich am frühen Morgen den nächsten Schaden entdecke, bin ich fast gar nicht überrascht. Ich begutachte den Schaden, mache ein Foto und habe es damit zur Kenntnis genommen. Ich rege mich nicht auf, steige ein und fahre zur Arbeit. Ich kann nichts dagegen tun, sondern einfach nur froh sein, dass der Benz die Garage fast nie verlässt und so von alldem verschont bleibt. Die nächste Beule im Coupé kommt bestimmt. So warte ich einfach bis der oder die Nächste das Coupé anbumst und sich aus dem Staub macht. Mehr kann ich wohl einfach nicht tun.


Freitag, 21. April 2017

Am Ende war es kein Eklat



Der Mann, für den meine Kollegin keine Steuergelder verschwenden will, hat sich nicht beim Jobcenter beschwert und so konnte meine Kollegin mit einem Anruf bei der Betreuerin des Mannes, den schwarzen Peter dem Mann zukommen lassen. Arbeitslose haben es echt nicht leicht. Der Mann wird nun zu einem Gespräch ins Jobcenter eingeladen. Was dabei passiert, bleibt abzuwarten.
Nachdem meine Kollegin das Gespräch mit der Betreuerin beendet hat, führen wir eine der üblichen Diskussionen. Sie äußert ihr Unverständnis für Arbeitslose und ich weise sie darauf hin, dass ihr Verhalten dem Mann gegenüber fragwürdig war. Sie sagt, dass sie es nicht verstehen kann, dass Leute keine Ausbildung haben und nicht von selbst merken, dass es so nicht geht. Meine Einwände, dass manche einfach zu schlicht sind, um sich selbst aus der Situation zu befreien und andere durch äußere Umstände in die Situation geraten sind, nimmt meine Kollegin zur Kenntnis und wird vermutlich eine Weile etwas humaner mit unseren Kunden umgehen. Das ist immer so nach unseren Gesprächen, hält aber nicht nachhaltig an.

Es ist nicht so, dass ich ein besonderer Menschenfreund bin, aber es ist nun einmal mein Job mich eben für diese Menschen einzusetzen. Scheinen viele meiner Kollegen nicht zu begreifen, doch ohne die Arbeitslosen wären wir alle gar nicht hier und ich glaube nicht, dass sie zu dem Job gezwungen werden. Wenn sie also gehen wollen, dann können sie das tun.

Im Laufe der Woche wird dann aber mehr als deutlich, dass ich als Coach nicht wirklich etwas tauge. Die Tätowierte unterschreibt zwar einen Arbeitsvertrag, vermittelt wurde der Job aber nicht von mir, sondern von meiner Kollegin. Ich bekomme dafür einen neuen Teilnehmer, einen Rangierbegleiter, der auf keinen Fall mehr auf Montage will. Nach drei Stunden und zwei Jobvorschlägen meinerseits bin ich allerdings mit meinem Latein schon am Ende, was mich echt deprimiert.

Weitere drei Teilnehmer können in den nächsten Tagen einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Natürlich alle von meiner Kollegin vermittelt. Sie hat die Kontakte, ich habe nichts. Und so relativiert sich ihr Verhalten rasch. Sie schießt zwar hin und wieder übers Ziel hinaus, ist mir aber vermittlungstechnisch so weit voraus, dass ich besser die Klappe halten sollte. Ihre Vermittlungsquote ist dreimal höher als meine. Tendenz steigend. Da stellt sich die Frage längst nicht mehr, wer hier gute Arbeit abliefert. Ich bin es definitiv nicht.

Dienstag, 18. April 2017

Eine Art Eklat



Ich führe ein Gespräch mit einem Mann, Mitte 30, der nach einer aus gesundheitlichen Gründen abgebrochenen Ausbildung nie gearbeitet hat. Er kommt für unsere Maßnahme nicht in Frage, weshalb wir überlegen, was für Chancen es für ihn überhaupt noch gibt. Das Gespräch verläuft gut und die Situation ist entspannt. Dann kommt meine Kollegin hinzu und das Gespräch gerät aus der Fugen. Zunächst zweifelt meine Kollegin daran, dass der Mann wirklich alle die Krankheiten, die er zu  haben vorgibt, hat. Er sagt, dass alles vom Amtsarzt bestätigt ist und er körperlich nicht belastbar ist. Meine Kollegin findet, dass der Mann in seinem bisherigen Leben dennoch mehr arbeiten hätte können und sagt ihm, dass sie nicht will, dass ihre Steuergelder dazu verschwendet werden, damit er eine Umschulung oder Ausbildung bezahlt bekommt. Nun reicht es dem Mann, er beendet das Gespräch, steht auf und schimpft, was für ein Scheiß Laden das hier ist und will sich beim Jobcenter über uns beschweren. Ich verstehe ihn gut, denn die Aktion meiner Kollegin hat auch für mich keinen Sinn ergeben und war durchaus respektlos. Nun bleibt abzuwarten, ob wir deswegen Ärger bekommen, was ich sehr begrüßen würde, weil ich so ein Verhalten einfach nicht akzeptabel finde.