Freitag, 24. März 2017

Sonja und Anke



Da viele über Sonja und Anke meckern, ich aber glaube, dass deren Meinung über mich durchaus für meinen derzeit guten Stand hier mitverantwortlich sein könnte, schreibe ich beiden eine Mail, um Ihnen anzubieten, dass sie zukünftig hier am Standort mit mir arbeiten. Erwartungsgemäß lehnen sie ab, finden es aber soooo süß, dass ich ihnen schreibe. Mein altes Ich hätte so etwas sicher nicht getan, aber was mich vielmehr irritiert ist dieses „soooo süß“. Ich weiß echt nicht, was ich davon halten soll, dass zwei attraktive Frauen in den 30ern mir so etwas schreiben. Irgendwie komme ich mir jetzt wir ein putziger Opa vor. Ich habe echt einen an der Murmel. Nichtsdestotrotz werde ich den Kontakt aufrecht halten, weil die beiden mir mein Leben in den sechs Wochen echt angenehm gemacht haben und gut obendrein attraktiv sind. Vielleicht wird der Kontakt Teil meines Projekts mich zu einem vollwertigen Objekt dieser Gesellschaft zu entwickeln. Das gefällt mir und ist auch irgendwie lustig, weil ich von dem Projekt bis eben noch gar nichts wusste.

Donnerstag, 23. März 2017

Knallhart verhandelt



Als meine Chefin mich zum Gespräch bittet, bin ich bestens vorbereitet und als sie fragt, ob es irgendetwas gibt, was mich stört, sage ich, dass ich den freien Montag zurück haben will. Zu meiner Erleichterung sagt sie, dass es möglich ist, wenn ich die Termine so legen kann, dass alles reibungslos läuft. Und wie ich das kann. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so einfach werden würde. Ich will schon die Vertragsverlängerung unterschreiben, da fragt sie mich, was ich denn verdiene. Ich antworte und merke, dass meine Chefin mir wohl etwas sagen will, verstehe aber nicht was. Also frage ich, was sie mir sagen möchte. Sie wollte mit der Frage nach dem Gehalt, dass ich in eine Verhandlung über mein Gehalt einsteige und sagt, dass es eine Art Wink mit dem Zaunpfahl war. Das kann ich ja nicht wissen, denn meine Verhandlungen waren ja schon vorbei. Ob ich etwas gegen eine Gehaltserhöhung hätte. Ich verneine und höre, dass sie mit meiner Arbeit sehr zufrieden ist und mir deshalb monatlich 150 Euro mehr zahlen kann. Das ist aber die Schmerzgrenze. Ich weise darauf hin, dass ich mehr als zufrieden bin und gar nicht vorhabe darüber zu verhandeln. Ob ich auch weiterhin eine 30-Stunden Woche bevorzuge, fragt sie als nächstes. Ich sage, dass alles, was darüber hinaus geht meinen Gemütszustand nur stören würde. Ob ich denn in den nächsten drei Monaten einen Tag im Monat zusätzlich arbeiten könne, bis ein Mitarbeiterengpass behoben ist. Wird natürlich vergütet oder mit Urlaub ausgeglichen. Statt der Vergütung nehme ich die drei Tage Urlaub und wir sind im Geschäft.

In den nächsten Tagen erkenne ich, dass einige Arbeitspläne extra für mich umgeschrieben werden und dass Alpha darüber alles andere als erfreut ist. Erneut äußert er sich abfällig über unsere Maßnahme und jammert, dass er so viel zu tun hat. Früher hätte mich sein Geschwätz noch aufgeregt, aber heute ist es mir sowas von egal. Er kann jederzeit kündigen, wenn er unzufrieden ist. Kann jeder. Man muss es nur knallhart durchziehen, so wie ich die Vertragsverhandlung.

Mittwoch, 15. März 2017

Vertragsverlängerung



Es gibt immer wieder Dinge, die mich irritieren und aus meiner gemütlichen Verwirrtheit reißen. So Sachen passieren immer, wenn ich am wenigsten damit rechne. So wie in diesem Moment. Wie aus heiterem Himmel spricht mich meine Chefin darauf an, dass wir über meine Vertragsverlängerung reden müssen. Ich erwidere allen Ernstes, dass wir da nicht viel reden müssen. Völlig rat- und emotionslos. Erst als ich merke, dass meine Teilnahmslosigkeit, die aus meiner Verwirrtheit entstanden ist, vielleicht falsch ausgelegt werden könnte, frage ich meine Chefin, ob wir schriftlich vereinbaren wollen, dass ich eine 4-Tage-Woche habe. Damit hat sie wohl nicht gerechnet und so schweigen wir einen Moment bis sie sagt, dass sie mit meiner Arbeit zufrieden ist. Nun wäre es angebracht etwas darauf zu erwidern. Danke. Das freut mich. Oder irgendwas in der Art wäre vermutlich sinnvoll. Stattdessen gucke ich sie ratlos an, weil mir das alles viel zu persönlich ist und ich mit so Komplimenten überhaupt nicht umgehen kann. Nicht, dass es mit am Arsch vorbei geht, aber ich kann da einfach nicht menschlich angemessen reagieren. Weil mein Schweigen sicher ziemlich bescheuert rüber kommt, einigen wir uns darauf, dass wir uns nächste Woche mal zusammensetzen. Dabei ist das kaum nötig, weil jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ohne irgendwelche Forderungen den Vertrag unterzeichnen werde. Ich kann nur hoffen, dass da nichts zu meinem Nachteil geändert wird, dann wäre ich nämlich komplett überfordert. Wenn ich es schaffe, sollte ich allerdings ansprechen, dass ich montags und nicht, wie für die nächste Zeit festgelegt, freitags meinen freien Tag haben möchte. Das ist eigentlich alles, was ich möchte. Und meine Ruhe. Und eine eigene Toilette. Aber die letzten beiden Wünsche sind unrealistisch, weshalb ich sie auf keinen Fall äußern sollte.